Was wir unter „Lernen am Arbeitsplatz“ verstehen und warum es so effektiv ist

Training on the job

Lernen am Arbeitsplatz (oder: „Training on the Job“) wird immer beliebter und ersetzt in immer mehr Organisationen klassische Schulungen und Kurse, die lange Zeit die Norm waren. Und dafür gibt es auch einen Grund: im Vergleich zum Lernen durch Studieren bietet das Lernen durch Arbeiten mehr Möglichkeiten, um schnell und effektiv auf neue Entwicklungen oder technologische Innovationen zu reagieren.

Aber wie sieht „Training on the Job“ (TotJ) in der Praxis aus? Worin liegen die Vor- und Nachteile dieser Lernmethode? Und welche Methoden und Instrumente können eingesetzt werden, um die Ausbildung am Arbeitsplatz innerhalb einer Organisation zu erleichtern und auf ein höheres Niveau zu bringen?

 

Inhalt

 

Was ist ‘training on the job’?

Die Bedeutung von „Training on the Job” ist Lernen am Arbeitsplatz. „Training on the Job“ (auch bekannt als „Learning on the Job”) findet – wie es der Name schon sagt – in einer normalen Arbeitssituation statt und nicht in einem muffigen Konferenzraum, in dem vorgefertigte PowerPoint-Dateien präsentiert werden.

Die Lernprozesse sind in die Arbeitspraxis eingebettet. Dabei werden häufig Geräte, Dokumente, Werkzeuge und Materialien verwendet, mit denen ein Mitarbeiter täglich zu tun hat.

Die Ausbildungsform ist recht intensiv und praxisorientiert. Das Hauptziel besteht darin, dass die Lernenden innerhalb kurzer Zeit große Schritte in ihrer Entwicklung machen.

In bestimmten Situationen hat die Ausbildung am Arbeitsplatz wichtige Vorteile gegenüber einem traditionellen Studium. Dabei kann es sich beispielsweise um folgende Vorteile handeln:

  • Unternehmen oder Abteilungen verwenden neue Computerprogramme, die eng mit bereits verwendeten IT-Systemen kommunizieren. In einem solchen Fall ist das Lernen am Arbeitsplatz die effektivste Lösung, damit sich die Mitarbeiter schnell an die neue Technik gewöhnen können.
  • Wenn eine zu erlernende Fähigkeit nicht so sehr theoretischer, sondern praktischer Natur ist, erreicht man mit Lernen am Arbeitsplatz in der Regel mehr als mit einem Studium. Man kann natürlich mithilfe dicker Bücher theoretisch lernen, wie man die perfekte Präsentation hält. Aber tatsächliche Praxis ist meistens effektiver, wenn es darum geht, die eigenen Präsentationsfähigkeiten zu verbessern.

 

Vorteile

Die Ausbildung am Arbeitsplatz hat einige wichtige Vorteile gegenüber dem studienbasierten Lernen. Nachfolgend haben wir die wichtigsten für Sie aufgeführt.

 

Schnelle Umsetzung

Bei einer guten Ausbildung am Arbeitsplatz liegt das Hauptaugenmerk nicht auf dem Zuhören oder Zuschauen, sondern auf dem Tun. Mit dem Ergebnis, dass die Mitarbeiter den Wechsel von der Theorie in die Praxis schnell umsetzen können – vor allem wenn es um praktische Kompetenzen und Fertigkeiten geht.

Statt erst Unmengen an theoretischen Informationen aufzunehmen, die dann später in der Praxis genutzt werden, ist der Lernweg eng mit der täglichen Arbeitspraxis verbunden.

 

Direktes Feedback

Ein weiterer Vorteil der Ausbildung am Arbeitsplatz besteht darin, dass die Teilnehmer ein sofortiges Feedback zu den Lernergebnissen erhalten. Dies findet außerdem innerhalb der eigenen Arbeitssituation statt, so dass die Mitarbeiter neue Fertigkeiten und Kenntnisse sofort ausprobieren und anwenden können.

Außerdem halten Sie die Chance, die neuen Fertigkeiten sofort in Erfolgserlebnisse umzuwandeln. Wenn die Teilnehmer das Gelernte sofort in der Praxis anwenden und mit guten Erfahrungen belohnt werden, werden sie die neu erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen auch konsequent anwenden.

 

Begrenzter Verlust an produktiver Arbeitszeit

Ein arbeits- und kostentechnischer Vorteil der Ausbildung am Arbeitsplatz besteht darin, dass nur wenig produktive Arbeitszeit verloren geht.

Da die Mitarbeiter die Ausbildung am eigenen Arbeitsplatz durchführen, müssen sie nicht reisen. Außerdem brauchen sie sich nicht frei zu nehmen und sind wie gewohnt am Arbeitsplatz verfügbar und präsent. Außerdem muss das Management keine teuren Konferenzräume mieten und keine Ausbilder einstellen, um Gruppenkurse in Klassenräumen anzubieten.

 

Praktische Prüfung

Durch das Lernen am Arbeitsplatz wird es möglich, die Ergebnisse einer Schulung sofort in der Praxis zu testen. Welche Teile sind betroffen? Passt das Gelernte zu den beruflichen Wünschen und Bedürfnissen der Mitarbeiter? Und gibt es noch Verbesserungspunkte? Anhand dieser Erkenntnisse können Schulungen schnell angepasst oder zusätzliche Module entwickelt werden.

 

Voordelen en nadelen van training on the job

Nachteile

Trotz der Vorteile, die mit der Ausbildung am Arbeitsplatz verbunden sind, gibt es auch einige potenzielle Nachteile/Gefahren beim Lernen am Arbeitsplatz. Diese möchten wir nachfolgend aufführen, damit Sie das Beste aus TotJ herausholen können, wenn Sie sich für diese Methode entscheiden.

 

Wie sieht es mit der Zeit aus?

Eine häufige Möglichkeit bei TotJ besteht darin, dass ein erfahrener Kollege jemanden in neue Aufgaben, Handgriffe oder Fertigkeiten unterweist. Aber hat die betreffende Person neben ihren täglichen Aktivitäten auch genügend Zeit, um ihre Rolle als Ausbilder oder Mentor angemessen zu erfüllen? Das kann nicht in jeder Organisation garantiert werden. Ist dies nicht der Fall, besteht die Gefahr, dass die Ausbildung am Arbeitsplatz zu einer lästigen Verpflichtung mit geringem Mehrwert für den Lernenden wird.

 

Fehlende Hintergrundkenntnisse

Sie schauen einem erfahrenen Kollegen über die Schulter, der eine bestimmte Anwendung benutzt, einen Produktionsprozess plant oder ein Bündel Rechnungen bearbeitet. Der visuelle Unterricht an sich ist eine ausgezeichnete Lernmethode – vor allem, wenn man schnell eine praktische Fertigkeit beherrschen möchte.

Langfristig ist es aber auch wichtig, dass ein lernender Mitarbeiter Hintergrundwissen erwirbt. Schließlich ist es nicht nur wichtig zu wissen, warum man etwas tut, sondern auch zu verstehen, wie man es tut.  Bei einer guten Ausbildung am Arbeitsplatz wird diese Weisheit beachtet und werden auch Hintergrundinformationen bereitgestellt. Formales und informelles Lernen gehen günstigstenfalls Hand in Hand.

 

Fehler weitergeben

Erfahrene Fachleute haben sich im Lauf der Jahre oft eine bestimmte Arbeitsweise angeeignet. Dabei muss es sich aber nicht immer um die beste und effizienteste Arbeitsweise handeln. Eine mögliche Gefahr bei der Ausbildung am Arbeitsplatz besteht darin, dass ein erfahrener Experte falsche oder ineffektive Arbeitsmethoden an einen lernenden Mitarbeiter weitergibt.

 

Erfolg ist stark von der Organisationskultur abhängig

Ausbildung am Arbeitsplatz ist besonders erfolgreich in Organisationen, die eine organische Struktur haben und eine dezentralisierte Entscheidungsfindung nutzen. In streng hierarchischen Organisationen gibt es in der Regel weniger Lernkultur, und die Kollegen sind weniger offen füreinander.

Wenn eine starke Hierarchie und damit eine geschlossene Kultur vorherrschen, bleibt wenig Raum für die wichtige Rolle der Führungskräfte. Die Einbeziehung von Vorgesetzten ist aber notwendig, um das Lernen am Arbeitsplatz zu unterstützen. Organisationen, die zielbewusst eigene Strukturen, Kulturen und Strategien entwickeln können, erhöhen bewusst ihre Lernmöglichkeiten und ihren Erfolg im Bereich Ausbildung am Arbeitsplatz.

 

Ausbildung am Arbeitsplatz – Methoden

Ausbildung am Arbeitsplatz ist eine Arbeitsmethode, die in verschiedenen praktischen Formen möglich ist. Wir präsentieren nachfolgend die wichtigsten und besten Methoden für die Ausbildung am Arbeitsplatz.

 

Training Within Industry (TWI)

„Training Within Industry“ (TWI) hilft Vorgesetzten dabei, Menschen zu führen, Mitarbeiter richtig einzuweisen und die täglichen Arbeitsmethoden und Geschäftsprozesse zu verbessern.

Das TWI-Konzept besteht aus vier Teilen: Job Instruction, Job Methods, Job Relations und Program Development (Arbeitsanweisung, Arbeitsmethoden, Arbeitsbeziehungen und Programmentwicklung). Mithilfe von „Training Within Industry“ ist es möglich, Mitarbeiter schnell und preiswert einzuarbeiten.

Weitere Informationen und Beispiele finden Sie in unserem Blogartikel über Training Within Industry.

 

70:20:10-Methode

Eine andere Form der Ausbildung am Arbeitsplatz ist die „70:20:10-Methode“. Dieses Modell teilt das Lernkonzept in drei Prozentsätze auf: 70 Prozent für das Lernen am Arbeitsplatz, 20 Prozent für das soziale Lernen (Zusammenarbeit, Coaching und Bereitstellung und Verarbeitung von Rückmeldungen) und 10 Prozent für das formale Lernen (klassische Ausbildungen, strukturierte Lernmodule).

Das 70:20:10-Lernmodell legt aufgrund des wachsenden Bedarfs an einem kontinuierlichen Lernprozess besonderen Wert auf das Lernen am Arbeitsplatz. Weil sich die Welt immer schneller verändert, wird auch das Wissen in immer schnellerem Maße überholt. Von Menschen wird zunehmend erwartet, dass sie mit derselben Geschwindigkeit lernen, wie sich die Wirtschaft ändert. Zeit ist nämlich Geld! Informelles und praktisches Lernen passt auch gut zu der Einsicht, dass Menschen am liebsten nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum lernen.

 

Leistungsunterstützung

Leistungsunterstützung stellt sicher, dass Mitarbeiter am Arbeitsplatz immer die Informationen erhalten, die sie benötigen, um ihre Arbeit zu diesem Zeitpunkt optimal ausführen zu können.

Bei der Leistungsunterstützung geht es um Lernmomente, die sehr genau auf die praktischen Bedürfnisse der Mitarbeiter im Betrieb zugeschnitten sind. Die Leistungsunterstützung begrenzt den Einfluss menschlicher Einschränkungen auf den Lernprozess und sorgt dafür, dass Mitarbeiter zum richtigen Zeitpunkt lernen. Außerdem ist die Lernmethode sehr praxisorientiert und auf den Erwerb aktueller Kenntnisse zugeschnitten. Damit ist die Leistungsunterstützung eine ideale Methode zur Unterstützung des Lernens am Arbeitsplatz.

 

training on the job methoden

Noch effektiver mit praktischen Werkzeugen

Es gibt auch diverse Werkzeuge für die Leistungsunterstützung, die die Ausbildung am Arbeitsplatz unterstützen und den Lernprozess noch effektiver machen. Die Technologie macht es möglich. Folglich wäre es eine Schande, diese zusätzliche Hilfe nicht zu nutzen!

 

Webcasts und Podcasts

Diese kurzen Video- und Audioberichte bieten eine leicht zugängliche Möglichkeit, um neue Informationen zu übertragen. Sie sind in der Regel bündig, konkret, informell und unterhaltsam. Also ideale Lernwerkzeuge, die Sie sich auch auf dem Heimweg in der Bahn oder kurz vor einer Versammlung noch einmal anschauen können.

 

Infografiken

Der Mensch ist sehr visuell orientiert. Infografiken unterstützen diese Eigenschaft auf praktische Weise und sind deshalb gute Werkzeuge für das Lernen am Arbeitsplatz. Sie fallen sofort ins Auge, lassen sich schnell und einfach bearbeiten und kombinieren Text mit attraktiv gestaltetem Bildmaterial wie Abbildungen, Grafiken oder Fotos.

 

Video-Lernen

Der menschliche Bedarf an visuellen Informationen und Lernressourcen hat auch zur wachsenden Popularität des Video-Lernens beigetragen. Audiovisuelle Aspekte leisten nämlich einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Attraktivität von Unterrichtsmaterialien, u.a. aus folgenden Gründen:

  • Sie ermöglichen angenehme und ausgewogene Mischungen aus Texten, Bildfragmenten und Anordnungen.
  • Ein Video kann häufig besser verstanden werden als ein Text. Die Schritte in einem bestimmten Prozess können beispielsweise viel einfacher visualisiert werden. Informationen in Textform bleiben immer ein wenig abstrakt.

Gute Beispiele für Video-Lernen sind Mikrovideos (kurze Videos, die schnell auf den Punkt kommen und das Arbeitsgedächtnis des Betrachters anregen und stimulieren), Lehrvideos (z.B. bei YouTube) und Webcasts.

 

Online-Schulungen

Mithilfe von Online-Schulungen können Mitarbeiter lernen, wann und wo sie wollen. Sie sind nicht mehr an feste Orte und Zeiten gebunden, sondern können lernen oder Schulungen anbieten, wenn der Bedarf am größten ist.

Es gibt mehrere gute Plattformen und Ausbilder, die Online-Schulungen anbieten. Beispiele sind GoodHabitz (verschiedene Schulungen), New Heroes (interaktive Lernreisen über verschiedene Themen), SkillsTown (Module für E-Learning, Webinare und Leistungsunterstützung) und Lea (ein Werkzeug für das Lernen am Arbeitsplatz).

 

Software für die Leistungsunterstützung

Es gibt auch spezielle Software, die die Anwendung der Leistungsunterstützung erleichtert und vereinfacht.

  • WalkMe ermöglicht es Managern, detaillierte, schrittweise Anweisungen auf ihre Website oder ihr Unternehmenssystem zu übertragen, damit die Mitarbeiter schnell wissen, wie sie neue, ihnen noch unbekannte Online-Aktionen durchführen müssen.
  • Kineo schafft sinnvolle Lernerfahrungen durch den Einsatz mobiler Werkzeuge, die weitgehend auf Abruf verfügbar sind. Große Unternehmen wie HP und McDonald’s haben Kineo bereits erfolgreich eingesetzt.
  • AskMe ist ein digitaler Assistent, der Unterstützung am Arbeitsplatz bietet. Das Werkzeug ermöglicht Ihnen einen schnellen Zugriff auf Informationen. Die Daten werden dann in mundgerechten Brocken – d.h. prägnant und mit Bild- und Videomaterial – serviert.
  • Die durch SkillsTown entwickelten Essentials sind spezielle Mikrokurse. Sie sind 24 Stunden am Tag per SmartPhone, Tablet, Laptop oder PC verfügbar und ermöglichen den Mitarbeitern sofortigen Zugriff zu dem Wissen, das sie benötigen.

 

Fortschritte übersichtlich machen

Mit dem richtigen Ansatz und den richtigen Werkzeugen ist Ausbildung am Arbeitsplatz eine gute Möglichkeit, sich neues Wissen und zusätzliche Fertigkeiten anzueignen. Aber es ist natürlich sehr praktisch, wenn man die Entwicklung von Qualifikationen, Fertigkeiten und Kompetenzen auf eine übersichtliche Weise gestaltet.

Damit Sie den Überblick behalten, haben wir unsere Kompetenzverwaltungssoftware entwickelt. Die Verwaltung von Kompetenzen und die Erstellung und Aktualisierung einer Kompetenzmatrix war noch nie so einfach. Und mit unserer Software umgehen Sie auch gleich die Nachteile von Excel (hohe Fehleranfälligkeit, unübersichtliche Versionsverwaltung)! Mit AG5 können Sie all losen Excel-Dateien mit Informationen über die Fähigkeiten Ihrer Mitarbeiter durch eine zentrale Online-Umgebung in der Cloud ersetzen. Und Sie können für jeden Mitarbeiter, jedes Team und jede Abteilung festlegen, was jeder sehen und bearbeiten darf.

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