Neue Mitarbeiter sehr schnell einarbeiten? Das ist mit „Training Within Industry“ möglich.

Viele Unternehmen investieren Arbeitskräfte und große Geldsummen in Lern- und Schulungsprogramme für Mitarbeiter, um Verbesserungen bei Qualität, Atmosphäre und Kostenkontrolle zu erreichen. Das Ergebnis dieser Investitionen lässt aber manchmal auf sich warten und ist in der Praxis oft schwer zu messen.

„Training Within Industry“ (TWI) ist eine – und nach Meinung einiger Ausbilder sogar die – Methode, um Mitarbeiter schnell und effektiv auszubilden.

Aber was genau ist TWI eigentlich? Welche Prinzipien liegen dieser Ausbildungsmethode zugrunde? Und warum gewinnt Training Within Industry in den letzten Jahren wieder an Popularität? In diesem Artikel möchten wir Ihnen alle diese Fragen beantworten.

 

Was ist Training Within Industry?

Training Within Industry hat seine Wurzeln in den Vereinigten Staaten. Das Konzept wurde vom United States Department of War (dem Vorgänger des US-Verteidigungsministeriums) entwickelt und lief von 1940 bis 1945.

Das Ziel bestand darin, weiterhin Dienstleistungen für kriegswichtige Industrien zu erbringen, die Personal verloren hatten. Viele Mitarbeiter wurden nämlich nach der amerikanischen Intervention im Zweiten Weltkrieg als Soldaten rekrutiert. Dadurch entstand ein Mangel an qualifizierten Fachkräften, so dass schnell und kostengünstig Menschen ausgebildet werden mussten.

Nach dem Krieg verbreitete sich die TWI-Methode wie ein Pilz über den Rest der Welt. Japanische Unternehmen wie Toyota nutzten eifrig das vorhandene Wissen während des Wiederaufbaus, und viele Menschen im normalen Geschäftsleben folgten diesem Beispiel.

TWI wird heute weithin als die Wiege flexibler Lernkonzepte wie Kaizen und Lean angesehen. Die TWI-Methode besteht aus vier Modulen. Im ursprünglichen Programm dauerte jede dieser Sitzungen zehn Stunden.

 

Die diversen TWI-Module

Um das Konzept hinter Training Within Industry richtig zu verstehen, muss man sich die Komponenten, aus denen die Lernmethode besteht, etwas genauer anschauen.

 

1. Arbeitseinweisung (Job Instruction)

Die Arbeitsanweisung ist die erste Komponente innerhalb der TWI-Methode. Hier lernen Teamleiter, wie unerfahrene Mitarbeiter auf standardisierte Weise arbeiten können, damit sich wiederholende Aufgaben besser und schneller ausgeführt werden.

Das Modul basiert wie die anderen Lernphasen von Training Within Industry weitgehend auf einer wissenschaftlichen Grundlage. Mithilfe des Moduls „Arbeitseinweisung” lernen die Teilnehmer, wie sie Aufgaben analysieren und dann effektiv an die Mitarbeiter weitergeben können. Effektive Unterweisung bedeutet, dass Mitarbeiter diese Aufgaben schnell und beim ersten Mal nach der vereinbarten besten Arbeitsmethode erlernen und die erlernten bewährten Praktiken nicht mehr vergessen.

Bei der Arbeitseinweisung werden Aufgaben und Arbeitsprozesse in kleinere, klar definierte Schritte eingeteilt. Dabei werden Kernpunkte ausgewählt, und der Ausbilder erläutert deutlich die Gründe für die Entscheidungen.

Die Arbeitsunterweisung wird in der Regel in vier Phasen unterteilt:

  1. Vorbereitung: In dieser Phase bereitet der Ausbilder den Mitarbeiter auf die zu erlernenden Fertigkeiten vor, indem er beispielsweise eine Verbindung zu etwas bereits Bekanntem herstellt.
  2. Präsentation: Der Ausbilder zeigt für jeden Schritt auf, wie er durchgeführt werden muss, und hebt das Wie und Warum der wichtigsten Punkte (gewöhnlich Schlüsselpunkte genannt) hervor.
  3. Versuch: Wie der Name schon sagt, geht es in dieser Phase vor allem darum, das Gelernte vorsichtig in die Praxis umzusetzen. Der Ausbilder erlaubt dem Mitarbeiter, eine (Teil-)Aufgabe selbständig auszuführen, bei der er das Warum der Schlüsselpunkte noch einmal deutlich wiederholt (Learning by doing).
  4. Nachkontrolle: Der Ausbilder prüft, ob der Mitarbeiter tatsächlich alle Aufgaben selbständig ausführen kann. Außerdem wird festgelegt, an wen sich der Mitarbeiter wenden kann, wenn er Hilfe oder Rat benötigt.

 

2. Arbeitsmethoden (Job Methods)

Bei der Arbeitseinweisung lernen Teamleiter, wie sie (künftigen) Mitarbeitern die Bedeutung einer standardisierten Arbeit vermitteln können. Das zweite TWI-Modul Arbeitsmethoden geht einen Schritt weiter und konzentriert sich auf die Verbesserung der während der Arbeitseinweisung festgelegten Standards.

Das Hauptziel von Arbeitsmethoden ist die kontinuierliche und schrittweise Verbesserung. Wie die Arbeitsanweisung können auch die Arbeitsmethoden in vier Schritte unterteilt werden:

  1. Bei der Aufschlüsselung werden die Schritte der bis zu diesem Zeitpunkt üblichen Arbeitsweise(n) unter die Lupe genommen.
  2. Nach der Aufschlüsselung folgt die Fragephase. Dabei wird jeder Schritt innerhalb des bekannten Arbeitsmodells in Frage gestellt. Welcher Zweck wird verfolgt? Weshalb sind die durchgeführten Handlungen erforderlich?
  3. Entwicklung: Mithilfe der Informationen aus der Aufschlüsselungsphase können die Arbeitsmethoden verbessert und perfektioniert werden. Dabei kann es sich um das Weglassen unnötiger Handlungen/Schritte, die Neuordnung von Arbeiten oder die Kombination von Aufgaben handeln.
  4. Anwendung: In dieser Phase werden die neuen und erprobten Arbeitsmethoden den Chefs und Mitarbeitern vorgestellt. Die Kernbereiche Sicherheit, Qualität, Quantität und Kosten werden noch einmal genau überprüft. Zufrieden? Dann kann das Verfahren als neuer Standard eingeführt werden!

 

3. Arbeitsbeziehungen (Job Relations)

Bei den Arbeitsbeziehungen geht es vor allem um die Verbesserung der kollegialen Beziehungen. Mit diesem dritten TWI-Modul lernen Teamleiter, wie sie am besten mit Mitarbeitern umgehen und wie sie die Qualitäten der Menschen am besten nutzen können.

Das Hauptmotto von Arbeitsbeziehungen lautet: „Menschen sollten als Individuen behandelt werden.” Behandeln Sie also jeden Mitarbeiter als einzigartiges Individuum mit einem eigenen Charakter und spezifischen Fertigkeiten.

Ein guter Umgang mit Arbeitsbeziehungen bedeutet auch, dass man Sozialkompetenz eine hohe Priorität gibt.

 

4. Programmentwicklung

Programmentwicklung findet auf einer etwas höheren Metaebene statt als die ersten drei Module von Training Within Industry. Tatsächlich ist es der erste konkrete Ansatz zur gezielten Auswahl und strukturierten Umsetzung großangelegter Verbesserungsprojekte in einer Organisation.

 

Die Vorteile der TWI-Ausbildung

Vor allem in den letzten Jahren sehen wir immer mehr Organisationen, die die TWI-Methode anwenden. Viele Unternehmen streben nach einer schlanken und agilen Arbeitsweise, um schneller und effektiver arbeiten zu können. Außerdem ist es durch die Wirtschaftskrise und den zunehmenden Wettbewerb innerhalb verschiedener Sektoren wichtig geworden, Produktionsprozesse mit bescheidenen Ressourcen zu optimieren. Training Within Industry fügt sich nahtlos darin ein.

Durch diese Entwicklungen wird den Vorteilen von TWI immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt, da es diese Methode möglich macht, neue Mitarbeiter und Zeitarbeitskräfte schnell und kostengünstig einzuarbeiten.

Nachfolgend haben wir die wichtigsten Vorteile aufgeführt:

  • Die Standardisierung von Arbeitsabläufen sorgt für mehr Frieden und Stabilität in der Organisation. Das Nettoergebnis ist eine Steigerung von Qualität und Produktivität. Praktische Beispiele zeigen, dass eine 90-prozentige Fehlerreduzierung und eine 26-prozentige Produktivitätssteigerung innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten möglich sind.
  • Dank TWI können neue Mitarbeiter bei der Herstellung von Qualitätsprodukten nach einer standardisierten Arbeitsmethode schneller eingesetzt werden.
  • Die Startzeit bei neuen Maschinen und Produktionslinien wird verkürzt. Dank TWI ist hier eine Reduzierung um gut 75 Prozent möglich.
  • Erfahrene Mitarbeiter können ihr Wissen und ihre Erfahrung auf inspirierende Weise an jüngere Mitarbeiter weitergeben.
  • Die TWI-Methode bietet Instrumente zur Verbesserung der Arbeitsbeziehungen und zur Erhöhung des Engagements innerhalb einer Organisation.
  • Training Within Industry macht Betriebs- und Prozessverbesserungen transparent.

TWI in der Praxis

International gibt es viel Aufmerksamkeit für TWI, beispielsweise durch die Plattform TWI Institute. Aber auch in den Niederlanden wird Training Within Industry inzwischen vollständig in die Praxis umgesetzt, u.a. durch TWI Company.

Die TWI Company hat diese Methode tatsächlich auf die nächste Stufe gebracht und bezeichnet ihre Arbeitsmethode deshalb auch zu Recht als TWI 2.0. So bietet die Organisation beispielsweise maßgeschneiderte Schulungen, Zertifizierungen und Gütezeichen im Bereich TWI an und unterstützt Unternehmen bei der Umsetzung der TWI-Methode.

Außerdem gibt es viele Fälle, die den Mehrwert von Training Within Industry in der täglichen Betriebspraxis anschaulich belegen.

 

LEGO und TWI

Wer kennt nicht die bunten LEGO-Bausteine? Weniger bekannt ist, dass LEGO im Bereich TWI einen der größten Erfolge aufweisen kann! Darüber wurde sogar ein Buch geschrieben.

Das Buch zeigt auf, wie es der LEGO Group mithilfe der TWI-Methode gelungen ist, trotz sprachlicher und kultureller Barrieren einen blitzschnellen Wissenstransfer zu erreichen.

Die Ergebnisse sind dann auch beeindruckend:

  • Zeitsenkung von 200 auf 60 Minuten in der gesamten Produktionslinie.
  • In einigen Bereichen der Organisation wurde die Zeit, die für die Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters benötigt wird, von einem Jahr auf drei Monate verkürzt.
  • Die verbesserte Übereinstimmung von Erwartung und Realität zwischen Management und Mitarbeitern führt zu mehr Stabilität in der gesamten Produktionslinie.

 

TWI 2.0 bei Johma

Der Lebensmittelhersteller Johma nutzt Training Within Industry in vollem Umfang, um Geschäftsprozesse zu verbessern und zu erleichtern. Das ist auch notwendig, weil das Unternehmen viel mit einer flexiblen Belegschaft arbeitet – Menschen, die folglich in kurzer Zeit gut eingearbeitet werden müssen.

In Zusammenarbeit mit der oben genannten TWI Company hat Johma 2012 mit der Einführung von TWI innerhalb des Unternehmens begonnen. Inzwischen arbeitet ein Drittel der Abteilungen nach der TWI-Methode.

Die Implementierung von TWI hat mittlerweile dafür gesorgt, dass Johma große Schritte bei der Verbesserung sich wiederholender Arbeitsprozesse gemacht hat.

  • Man kann leicht erkennen, ob jemand eine bestimmte Arbeitsmethode aufgreift. Dadurch weiß Johma schon in einem frühen Stadium, ob fähige Leute im Betrieb arbeiten. Sowohl bei den Ausbildern als auch bei den Mitarbeitern wird zwei Wochen nach Ende des Kurses überprüft, ob sie den Lehrstoff ausreichend beherrschen.
  • Dank TWI konnten die Einarbeitungszeiten erheblich verkürzt werden. In der kalten Küche, wo die Salate hergestellt werden, dauerte die Einarbeitung früher noch ein halbes Jahr. Inzwischen wird die Ausbildung in 6-8 Wochen absolviert. Das spart Kosten, manchmal Hunderte bis Tausende von Euro pro Mitarbeiter.
  • Die TWI-Produktionslinien laufen stabil und kommen kaum noch durch Störungen zum Stillstand.

 

TWI 2.0 bei Stiho

Auch Stiho, ein Großhändler für Baumaterialien, setzt mit Hilfe von TWI Company verschiedene TWI-Prinzipien in die Praxis um. Projekt OLÉ (Organisation-Logistik-Effektiv) optimiert z.B. die Prozesse innerhalb von Stiho Utrecht, so dass die logistischen Abläufe sicherer, besser und schneller vonstattengehen.

In Anlehnung an erfolgreiche multinationale Unternehmen wie Starbucks, LEGO und McDonald’s wird dabei vollumfänglich TWI verwendet – die Schulungsmethode, mit deren Hilfe Mitarbeiter schnell, sicher und auf standardisierte Weise eingearbeitet werden. Als Folge können alle auf die gleiche Art und Weise ihre Arbeit tun, so dass die Qualität immer gleich bleibt.

Bei der Anwendung der TWI-Methode greift Stiho u.a. auf folgende Instrumente zurück:

  • Nullmessungen in verschiedenen Abteilungen zeigen auf, wo eine Abteilung steht, wo die wichtigsten Engpässe bestehen und wie die Probleme gelöst werden können.
  • Die für jede Abteilung festgelegten Leistungskennzahlen bestimmen, ob ein Tag gut verlaufen ist und legen die Aufgaben fest, an die in den kommenden Tagen gedacht werden muss.

 

TWI und AG5

Wenn Sie Training Within Industry innerhalb Ihrer Organisation anwenden möchten, sollten Sie auch an die administrative Seite denken.

Wer beherrscht welche Fertigkeiten / SOPs (Standard Operating Procedure)?

Welche Abteilungen haben welche Phasen des TWI-Trainings durchlaufen?

Und was muss in bestimmten Betriebsbereichen noch getan werden, um die Standardisierung von Prozessen und Arbeitsmethoden zu gewährleisten?

Mit der Kompetenzverwaltungssoftware von AG5 können Sie alle diese Punkte erfassen! Sie erstellen problemlos visuelle Trainingsmatrizen, die genau zeigen, wer welche Standardvorgehensweisen noch durchführen muss. Außerdem sind die Informationen von einer zentralen Stelle aus zugänglich, was die Einführung der TWI-Methode wesentlich reibungsloser macht.

 

Schlussfolgerung: TWI gehört die Zukunft!

Die größte Stärke von Training Within Industry besteht in der Nutzung der Vorteile einer Standardisierung für konkrete Prozessverbesserungen. Dadurch können mit begrenzten Kosten große Fortschritte in Bezug auf Effizienz und Geschwindigkeit erzielt werden.

Hätten Sie gern weitere Informationen über das TWI-Konzept? Oder suchen Sie eine Software, die Training Within Industry unterstützen kann? Dann wenden Sie sich an AG5 oder die Spezialisten der TWI Company.

 



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