Kompetenzpool-Verwaltung: warum Diplome wirklich veraltet sind

Vor noch nicht allzu langer Zeit waren Arbeitsplätze und Stellenbeschreibungen praktisch in Stein gemeißelt. Eine bestimmte Position ging für gewöhnlich mit einem klaren Profil und einem spezifischen Aufgabenspektrum einher.

Die Ära der statischen Arbeitsplätze neigt sich aber langsam dem Ende zu. Derzeit arbeiten nämlich immer mehr Organisationen mit einem Kompetenzpool.

 

Was ist ein Kompetenzpool?

Um die Talente ihrer Mitarbeiter noch besser nutzen und flexibler arbeiten zu können, greifen immer mehr Unternehmen auf einen so genannten Kompetenzpool zurück. So ein Kompetenzpool vermittelt ein gutes Bild von der Qualität und Quantität des aktuellen Fachkräftebestandes innerhalb einer Organisation.

Was sind die Hauptvorteile eines Kompetenzpools? Und wie kann man einer Kompetenzpool-Verwaltung in der Praxis Form geben? In diesem Artikel werden wir näher darauf eingehen.

 

Woher kommt der Bedarf an Kompetenzpools?

In vielen Unternehmen war das Tayloristische Organisationsmodell (benannt nach dem amerikanischen Ingenieur Frederick Winslow Taylor) lange Zeit die Norm: eine hierarchisch aufgebaute Unternehmenspyramide, in der jeder eine klar definierte Position oder Funktionsbeschreibung hat.

Gemäß diesem Modell bestanden die personalbezogenen Aktivitäten hauptsächlich aus funktionsspezifischen Stellenausschreibungen, für gewöhnlich mit einem starken Fokus auf einen bestimmten Bewerbertyp und wenig Raum für eine kreative Rekrutierung. Auch die Karriereleiter hat innerhalb Tayloristisch denkender Organisationen oft eine vorhersehbare Struktur.

Ein solcher Ansatz funktioniert heutzutage aus verschiedenen Gründen nicht mehr so gut.

Wir werden drei benennen:

  • Emanzipation von Arbeitnehmern
  • Flexiblere Gestaltung des Arbeitsmarktes
  • Dynamik und das Wachstumstempo der modernen Technik

Teilweise als Folge dieser Entwicklungen sind Betriebe fast gezwungen, eine kulturelle und intellektuelle Wende einzuleiten, wenn sie die besten Fachkräfte für ihr Unternehmen auf dem derzeitigen Arbeitsmarkt gewinnen wollen.

Und wenn wir noch tiefer blicken, sehen wir, dass das Entstehen von Kompetenzpools und einer flexibleren Sichtweise der Organisationsgestaltung durch eine Reihe moderner Erkenntnisse und Trends vorangetrieben wird.

  • Traditionelle Funktionsbeschreibungen sind oft sehr einschränkend. Die Folge sind starre Organisationen, die sich nur schwer auf sich verändernde Marktbedingungen anpassen können. Da Flexibilität für viele moderne Unternehmen einen wichtiger Punkt in der Tagesordnung darstellt, werden rigide Funktionsbeschreibungen immer häufiger durch variablere Kompetenzpools ersetzt.
  • Die rasch fortschreitende Technologie ersetzt oder verändert viele traditionelle Arbeitsplätze und Funktionen. Technologische Entwicklungen führen häufig dazu, dass die Trennlinien zwischen zuvor streng definierten Aktivitäten verwischt werden. Das Aufkommen einer Technik wie Rapid Application Development (RAD) bewirkt beispielsweise, dass die Entwicklung von Anwendungen nicht länger die ausschließliche Domäne professioneller Programmierer sein muss. Die moderne Kommunikationstechnologie macht es ferner möglich, geografische Grenzen bei der Durchführung von Großprojekten zu überschreiten.
  • Unternehmen und Personalleiter konzentrieren sich immer weniger auf klar definierte Stellenprofile. Soziale Kompetenz wird beispielsweise immer wichtiger. Außerdem führt die alleinige Fokussierung auf Erfahrungen innerhalb einer bestimmten Funktion zu einer begrenzten Sicht. Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man Kandidaten übersieht, die verborgene Talente haben, von denen das eigene Unternehmen stark profitieren könnte.

 

Von statisch zu flexibel

Das Ergebnis der oben genannten Entwicklungen ist eine zunehmende Flexibilisierung von Funktionen – eine Tendenz, die die traditionellen Grenzen zwischen streng definierten Funktionen mehr und mehr ersetzt.

Teams bestehen heute nicht mehr aus Mitarbeitern mit einer klar definierten statischen Funktion, sondern aus vielseitig einsetzbaren Menschen mit den richtigen Kompetenzen.

Das bedeutet, dass Mitarbeiter mit umfassenden Kompetenzen bestimmte Fertigkeiten in Team A und andere Qualitäten in Team B ausüben können. So entstehen flexible Geschäftsteams mit einem Aufgabenpaket und Zusammensetzungen, die entsprechend den aktuellen Bedürfnissen, Prozessen oder Kundenwünschen sorgfältig modelliert werden können.

 

Was ist Kompetenzpool-Verwaltung?

Damit die zunehmende Flexibilisierung von Funktionen erfolgreich verläuft, ist eine effektive Arbeitsweise von großer Bedeutung. Vor allem in großen, international operierenden Organisationen, die viele professionelle, ehrgeizige und enthusiastische Mitarbeiter beschäftigen.

Um die spezifischen Wünsche, Erfahrungen und Kompetenzen dieser Fachleute zu ermitteln, arbeiten viele Unternehmen mit Kompetenzpools. Ein Kompetenzpool bietet Einblick über die Fertigkeiten der Mitarbeiter. Welche Spezialisten gibt es in unserem Unternehmen? Was haben die einzelnen Arbeitnehmer zu bieten? Welche Fertigkeiten sind vorhanden und welche fehlen?

Das wichtigste Merkmal eines Kompetenzpools besteht darin, dass nicht die traditionellen Funktionsprofile im Vordergrund stehen, sondern die Gesamtheit der Hard und Soft Skills (Kommunikations- und Sozialkompetenz, Sprachkenntnisse, persönliche Gewohnheiten, Lebenseinstellung usw.), über die ein bestimmter Mitarbeiter verfügt. Die Betonung liegt deshalb mehr auf einer spezifischen Palette von Fertigkeiten und persönlichen Merkmalen als auf einem klar definierten und abgegrenzten Funktionsprofil.

Die richtige Verwaltung Ihres Kompetenzpools ist in der heutigen Geschäftswelt der Schlüssel zum Erfolg.

 

4 Tipps für die Kompetenzpool-Verwaltung in der Praxis

Aber wie kann man einer Kompetenzpool-Verwaltung in der täglichen Praxis Form geben? Wir geben Ihnen vier Tipps.

 

1. Beurteilung

Eine große Gefahr bei der Beurteilung von Arbeitnehmern anhand ihres beruflichen Werdegangs oder ihres Funktionsprofils besteht darin, dass ihre verborgenen Talente übersehen werden. Die Lösung: versuchen Sie, mehr Einblick in die persönlichen Motive und Fertigkeiten einer Person zu gewinnen.

Beurteilungen sind dafür ein guter Ausgangspunkt. Außerdem müssen Sie auch Zeit in gute Einzelgespräche investieren. Auf diese Weise erhält ein Personalleiter ein noch umfassenderes Bild eines Arbeitnehmers.

Gerade durch den Einblick in die Fertigkeiten und Persönlichkeiten von Arbeitnehmern kann man leichter herausfinden, für welche Aufgaben, Projekte oder Prozesse jemand geeignet oder nicht geeignet ist. Der richtige Kandidat für die Stelle muss nicht automatisch die Person mit den „besten“ Papieren sein.

 

2. Auswahl

Um schnell gute Teams zusammenstellen zu können und Mitarbeiter für die richtige Stelle zu bekommen, benötigt man eine Auswahlmethode. Ein Kompetenzpool bietet viele Möglichkeiten für ein transparentes Beurteilungssystem.

Sie können beispielsweise mit digitalen Badges, aber auch mit Kompetenzmatrizen arbeiten. Mit der richtigen Software können die Matrizen direkt am Arbeitsplatz aktualisiert werden, wobei die neuesten Erkenntnisse auf dem Gebiet der Fertigkeiten, Kompetenzen oder Zertifikate genutzt werden können.

 

3. Transparenz

Transparenz ist ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Kompetenzpool-Verwaltung. Beziehen Sie eine breite Gruppe von Personen innerhalb des Unternehmens in den Prozess ein, und machen Sie deutlich, aus welchen Gründen Sie Entscheidungen treffen.

Dadurch können Entscheidungen auf Grundlage solider Informationen aus dem Kompetenzpool nachvollziehbar begründet werden.

 

4. Gute Werkzeuge

Um den Prozess der Kompetenzpool-Verwaltung in Ihrem Unternehmen übersichtlich zu halten, benötigen Sie auch die richtigen Werkzeuge. Matrizen in Excel sind gut für einfache Übersichten geeignet. Sie werden jedoch schnell zu einem Wirrwarr aus komplizierten Formeln und Links zu Aufgabenbeschreibungen, wenn die Kompetenzpools umfangreicher und komplexer werden.

Eine spezielle Verwaltungssoftware ist die Lösung für dieses Problem. Alle Informationen werden zentral von der Cloud aus verwaltet und können vor Ort angepasst werden. So finden Sie im Handumdrehen die richtigen Fachleute für ein bestimmtes Projekt und den besten Ersatz für einen abwesenden Spezialisten.

Außerdem ist es möglich, Personalleitern und Mitarbeitern automatische Benachrichtigungen zuzuschicken. Auf diese Weise erhalten sowohl das Management als auch der Mitarbeiter eine rechtzeitige Warnung, wenn bestimmte Qualifikationen oder Zertifikate abzulaufen drohen.

 

Die Vorteile der Kompetenzpool-Verwaltung

Die Kompetenz Pool-Verwaltung hat einige wichtige Vorteile gegenüber traditionelleren Einstellungsstrategien. Schauen wir uns Einmaldie Vorteile näher an.

 

Stärkerer Fokus auf vorhandenes Fachwissen

Mit einem Kompetenzpool sieht ein Unternehmen schneller, ob genügend Fachwissen, Talent und Erfahrung vorhanden sind, um ein Projekt oder einen Prozess zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

Andernfalls, oder wenn durch natürliche Fluktuation oder unerwartete Ausfälle Lücken innerhalb eines bestimmten Wissens- oder Funktionsnetzes zu entstehen drohen, können Sie dies mit einer guten Kompetenzpool-Verwaltung frühzeitig erkennen und schnell reagieren, beispielsweise durch Umschulung von Mitarbeitern innerhalb der Organisation oder durch die Suche nach neuen Mitarbeitern.

Kompetenzpool-Verwaltung hilft auch bei der Definition von Schlüsselpositionen und der Kartierung der zugehörigen Pipeline. Gibt es zum Beispiel bereits potenzielle Nachfolger für die Schlüsselpositionen? Oder müssen diese noch ausgebildet oder eingestellt werden?

 

Zufriedene Mitarbeiter

Eine Kompetenzpool-Verwaltung führt für gewöhnlich zu zufriedenen Mitarbeitern. Die meisten Menschen wünschen sich persönliche Aufmerksamkeit. Deshalb freuen sie sich auch, wenn sie als Mensch und nicht als laufendes Funktionsprofil betrachtet werden.

 

Bessere Weitergabe von Kenntnissen

Kompetenzpool-Verwaltung fördert die Weitergabe von Kenntnissen. Durch den Wegfall traditioneller Funktionsgrenzen verbreiten sich Informationen über ein größeres Netzwerk von Menschen.

Das Ergebnis:

  • Weniger Wissenskonzentration bei einer Person;
  • Mehr Mitarbeiter, die eine bestimmte Aufgabe erfüllen können;
  • Weniger Nachfolgerprobleme, wenn ein Mitarbeiter Ihr Unternehmen verlässt.

Außerdem sorgt diese Verbreitung von Wissen für mehr Flexibilität. Es wird leichter, sachkundige und vielseitig einsetzbare Projektteams zusammenzustellen, die für einen Spezialauftrag perfekt ausgerüstet sind.

 

Besserer Überblick über Sozialkompetenzen

Es sind nicht nur die fachlichen Fähigkeiten, die bestimmen, ob jemand im Betrieb funktioniert oder sich in einer bestimmten Rolle wohl fühlt. Auch Sozialkompetenzen spielen eine Rolle. Ein Kompetenzpool hilft Ihnen, diese Sozialkompetenzen besser zu erkennen.

Ist eine Person introvertiert oder selbstbewusst? Kommuniziert jemand lieber direkt oder per E-Mail? Bevorzugt ein Mitarbeiter Routine-Tätigkeiten oder sucht er gern neue Herausforderungen? Die Antwort auf diese Fragen ist häufig genauso wichtig für die Eignung einer Person wie ihre Fachkenntnisse.

 

Große Betriebe und Kompetenzpool-Verwaltung

Kompetenzpool-Verwaltung wird immer häufiger bei internationalen Betrieben angewendet.

Ein gutes Beispiel für diese Arbeitsmethode sind die vom Computerriesen IBM eingesetzten globalen Aktionsteams, die Mitarbeiter aus verschiedenen Branchen für die Arbeit an komplexen Projekten einsetzen.

Shell bietet laut eigener Aussage z.B. keine Arbeitsplätze, sondern Karrieren an. Die Mitarbeiter arbeiten für eine bestimmte Zeit an Projekten mit, bei denen ihre Fertigkeiten nützlich sind.

Springest, der größte Marktplatz für Schulungen und Kurse in den Niederlanden, verlässt sich vollständig auf das Holacracy-Betriebssystem. Dieses System ist vom Kompetenzpool abhängig und hat ein flaches Organogramm. Keine Manager, sondern Zirkel, die gemeinsam dafür sorgen, dass Projekte abgeschlossen werden.

 

Schlussfolgerung: dem Kompetenzpool gehört die Zukunft

Die Personallandschaft befindet sich derzeit in einer Übergangsphase. Einstellungen auf Basis fester Funktionsbeschreibungen und statischer Arbeitsplätze weichen immer häufiger Kompetenzpools und einer interdisziplinären „Kreuzbestäubung“. Eine gute Kompetenzpool-Verwaltung hat folglich auch das Potenzial, Organisationsstrukturen zu verbessern.

Größere Flexibilität, zufriedenere Mitarbeiter, eine optimale Arbeitszufriedenheit und eine höhere Produktivität sind wichtige Vorteile, die mit dieser neuen Art des Arbeitens und Organisierens einhergehen.

Möchten Sie gern Ratschläge zur Verwaltung Ihres Kompetenzpools erhalten? Oder sind Sie auf der Suche nach nützlicher Software, um den Prozess der Kompetenzpool-Verwaltung besser und effizienter zu gestalten? Dann nehmen Sie unverbindlich Kontakt zu uns auf, um eine maßgeschneiderte Beratung zu erhalten.

 



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